Ausgabe April 2004

John F. Kerrys Außenpolitik

Seit dem "Super Tuesday" steht so gut wie fest, dass die US-Demokraten John Kerry als ihren Präsidentschaftskandidaten nominieren werden. Wenn er die Wahl im November gewinnt, wird sich Amerikas Außenpolitik ändern. Doch in welcher Hinsicht? Lediglich in ihren Methoden oder auch in ihren Zielen?

Bei den Vorwahlen bestand Kerrys größtes Plus darin, dass man ihn als erfahrenen Politiker kennt, während es sich bei seinen beiden wichtigsten Rivalen in diesem Rennen um attraktive, aber unerprobte Nachwuchspolitiker handelte, beide relativ neu auf der nationalen Bühne. Dass Kerry im Vietnamkrieg gedient hatte, wies ihn als einen ernsthaften Menschen aus, der weiß, was Krieg ist, und sich selbst im Kampf bewährte – ein Mann, der sich mit den moralischen und politischen Dilemmata einer solchen Situation auseinandergesetzt hat und den Mut aufbrachte, sich gegen Konvention und Zeitgeist zu stemmen, als er den Krieg, in dem er selbst gekämpft hatte, verurteilte.

Nichts dergleichen lässt sich über Präsident Bush sagen. Auf welche Weise und in welchem Ausmaß dieser sich dem aktiven Militärdienst im Vietnamkrieg entzog, ist noch nicht abschließend geklärt, aber die Wahrheit könnte sich verheerend auf seine Wiederwahlchancen auswirken.

Nichtsdestotrotz beharrt er darauf, dass er ein "Kriegspräsident" sei. Nicht wenige seiner Gefolgsleute, die ebensowenig von der Realität des Krieges wissen wie Bush selbst, können gar nicht genug davon bekommen.

Sie haben etwa 22% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 78% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Krieg und Frieden