Ausgabe April 2004

John F. Kerrys Außenpolitik

Seit dem "Super Tuesday" steht so gut wie fest, dass die US-Demokraten John Kerry als ihren Präsidentschaftskandidaten nominieren werden. Wenn er die Wahl im November gewinnt, wird sich Amerikas Außenpolitik ändern. Doch in welcher Hinsicht? Lediglich in ihren Methoden oder auch in ihren Zielen?

Bei den Vorwahlen bestand Kerrys größtes Plus darin, dass man ihn als erfahrenen Politiker kennt, während es sich bei seinen beiden wichtigsten Rivalen in diesem Rennen um attraktive, aber unerprobte Nachwuchspolitiker handelte, beide relativ neu auf der nationalen Bühne. Dass Kerry im Vietnamkrieg gedient hatte, wies ihn als einen ernsthaften Menschen aus, der weiß, was Krieg ist, und sich selbst im Kampf bewährte – ein Mann, der sich mit den moralischen und politischen Dilemmata einer solchen Situation auseinandergesetzt hat und den Mut aufbrachte, sich gegen Konvention und Zeitgeist zu stemmen, als er den Krieg, in dem er selbst gekämpft hatte, verurteilte.

Nichts dergleichen lässt sich über Präsident Bush sagen. Auf welche Weise und in welchem Ausmaß dieser sich dem aktiven Militärdienst im Vietnamkrieg entzog, ist noch nicht abschließend geklärt, aber die Wahrheit könnte sich verheerend auf seine Wiederwahlchancen auswirken.

Nichtsdestotrotz beharrt er darauf, dass er ein "Kriegspräsident" sei. Nicht wenige seiner Gefolgsleute, die ebensowenig von der Realität des Krieges wissen wie Bush selbst, können gar nicht genug davon bekommen.

Sie haben etwa 21% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 79% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Krieg und Frieden

Putins Kriegswirtschaft: Propaganda und Realität

von Michael R. Krätke

Zu den ständig wiederholten Propagandalügen des russischen Regimes gehört die Behauptung, Russlands Wirtschaft werde von den Sanktionen des Westens kaum berührt. Viele glauben das, weil die Ankündigung, die Sanktionen würden Russland in kürzester Zeit in die Knie zwingen, nicht eingetroffen ist.

Politik als Gewinnspiel: Wetten auf Krieg und Frieden

von Sonja Peteranderl

Über Monate hinweg beobachteten US-Geheimdienste jede Bewegung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Am 3. Januar gab US-Präsident Donald Trump schließlich grünes Licht für die »Operation Absolute Resolve«.

Libanon: Letzte Hoffnung Trump?

von Kristian Brakel

Seit Anfang März tobt im Libanon die x-te Auflage des jahrzehntealten Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah. Während die Weltöffentlichkeit gebannt verfolgt, wie Donald Trump die militärische Projektionskraft der USA am Golf verspielt, erregt der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah weit weniger Aufmerksamkeit.