Ausgabe Februar 2004

Im Jahr eins nach Saddam Hussein

Kein triumphales Auftreten. Keine Siegesfeier. Der Präsident verzog keine Miene, als er am 14. Dezember in einer Fernsehansprache live aus dem Weißen Haus das bestätigte, was sein Statthalter im Irak, Zivilverwalter Paul Bremer, kurz zuvor schon verkündet hatte: die Festnahme Saddam Husseins. Dabei hätte George W. Bush doch anders als Anfang Mai - als er auf einem Flugzeugträger vor dem Schriftzug "mission accomplished" posierte, um das vermeintliche Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak zu verkünden - diesmal tatsächlich einen Grund gehabt, mit der Erledigung einer, wenn auch selbst gestellten, Aufgabe aufzutrumpfen. War da doch jemand gefangen genommen worden, den kaum jemand, auch in der arabischen Welt, nicht mit Abscheu betrachten dürfte.

Doch wer gerade einen Erfolg verbucht hat, vermehrt seine Ehre bekanntlich durch demonstrative Bescheidenheit. Vielleicht ahnte Bush auch, dass die Festnahme des einstigen Diktators ihm bestenfalls eine Verschnaufpause verschaffen würde. Es dauerte denn auch nur wenige Wochen, bis sein ehemaliger Finanzminister Paul O’Neill den Präsidenten in Verlegenheit brachte: Bereits in den ersten Tagen nach Antritt der Regierung Bush im Januar 2001, so plauderte der Ex-Minister aus, sei es nur noch um das "Wie" und nicht um das "Ob" eines Angriffs auf den Irak gegangen. Eine Reaktion auf die Anschläge vom 11.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: Aminatou Haidar (imago images / TT)

Westsahara: Afrikas letzte Kolonie

von Aminatou Haidar

Seit 56 Jahren steht das Thema auf der Agenda der Vereinten Nationen. Jetzt hat der UN-Sicherheitsrat beschlossen, das Leiden der Menschen in der Westsahara, der letzten Kolonie Afrikas – flächenmäßig größer als Großbritannien, aber eingezwängt zwischen Marokko, Algerien, Mauretanien und dem Meer –, weiter zu verlängern.

Vermummter Mann mit Sonnenbrille und Helmkamera

Bild: imago images / UPI Photo

Nach Trump: Aussichten auf den Bürgerkrieg

von Alexander Hurst

Donald Trump wird für seine plumpen Hasstiraden in den sozialen Netzwerken zuweilen belächelt. Unter seinen Anhängern gibt es etliche, die diese durchaus wörtlich nehmen und vor Gewalt nicht zurückschrecken. Bei einer Amtsenthebung oder Abwahl Trumps könnte aus den Drohungen schnell bitterer Ernst werden.