Ausgabe Februar 2004

Universität in Bewegung:

Vor einem neuen Sommer des Protests?

Natürlich, in den schönen 60er und 70er Jahren war alles anders. Da bereiteten Kader des linken Radikalismus und Reformismus noch von langer Hand die studentischen Streiks vor. Mit großem Vorlauf rangen die linken Gruppen zähe um die Slogans und die Symbolik, die Hauptlosungen und die Aktionsformen. Das lief dann durch die so genannten Landes-ASten-Konferenzen, auch durch den nationalen Dachverband der Studenten, den mittlerweile längst verblichenen VDS. Als dann am Ende vor Ort die einzelnen Universitäten über den Streik abstimmten, war das Unternehmen längst perfekt, wenngleich subkutan, vorbereitet. Wenn es mit den Streiks schließlich und endlich losging, griff man bereits auf komplett etablierte Strukturen zurück.

Diesmal, im Herbst 2003, war das also alles ganz anders. Und es war gewissermaßen zum ersten Mal so. Noch beim Streik 1997, dem bis dahin letzten, den man an den deutschen Hochschulen erleben konnte, existierten Erinnerungsströme, Restspuren von Erfahrungswissen aus den 70er und 80er Jahren, der Zeit der linken Kader, die mit der Auflösung von MSB Spartakus und dem Sozialistischen Hochschulbund nach dem Fall der Mauer plötzlich verschwanden. Aber ein paar Reservate an Personal und eben an Erfahrungskenntnissen hatten sich noch einige Jahre gehalten, die anfangs auch noch jene fröhlichen Vertreter der Spaßgesellschaft beim "Lucky-Streik" – wie die studentischen Aktivitäten im Jahr 1997 genannt wurden – nutzten.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.