Ausgabe Februar 2004

Universität in Bewegung:

Akteure statt Konsumenten

Mit großem Werberummel hatte der schwedische Möbelriese Ikea im November 2003 die Eröffnung seiner größten Filiale in Berlin vorbereitet. Allerdings mussten die Werbestrategen feststellen, dass die Eröffnung nicht nur auf potentielle Käufer, sondern auch auf protestierende Studierende anziehend wirkte: So fanden die Schnäppchenjäger in der Bettenabteilung Studierende vor, die gegen eine "Bildungspolitik im Tiefschlaf" protestierten und Bildungsasyl in Schweden beantragten.1

Diese und andere kreative Protestaktionen konnte man im Wintersemester 2003/2004 vielerorts in Hochschulstädten antreffen. Den Studierenden geht es mit ihren Protesten im Wesentlichen um Abwehrkämpfe gegen materielle Verschlechterungen. Primär richten sich die studentischen Aktionen im Wintersemester 2003/04 – wie schon jene 2002 in Nordrhein-Westfalen – gegen konkrete Studiengebührenpläne in den Bundesländern.2 Zur Durchsetzung dieser Langzeitstudiengebührenmodelle, die sich trotz unterschiedlicher Etikettierung nur in bürokratischen Details unterscheiden, wird eine "Missbrauchsdebatte" über eine angeblich zu lange Verweildauer an den Hochschulen bemüht.3

Das zweite Konfliktfeld betrifft die Frage der Hochschulfinanzierung. In den von den Studierendenprotesten betroffenen Bundesländern werden Kürzungsprogramme in bislang unbekanntem Ausmaß aufgelegt, die sogar ganze Fachbereiche in Frage stellen.

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