Ausgabe Januar 2004

Degussa: Werben mit Auschwitz

Wer auf die rettende Idee kam, lässt sich wohl kaum noch ermitteln. Aber alles sieht so aus, als wäre es unser höchster Volksvertreter Wolfgang Thierse selbst gewesen, der am 29. Oktober im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Degussa AG, Professor Utz-Hellmuth Felcht, das erlösende Wort fand. "Konstruktives Gespräch zwischen Wolfgang Thierse und Prof. Felcht" war die Degussa-Pressemitteilung vom 30. Oktober, 12.48 Uhr überschrieben.

"Stärke der Degussa" seien, so gab die Pressemitteilung bekannt, "maßgeschneiderte Systemlösungen mit hoher Wirkung für ihre Kunden". Und informierte, das Gespräch habe in einer "offenen und sachlichen Atmosphäre" stattgefunden. Die Pressemitteilung betonte: "Die Aktivitäten der Degussa folgen der Vision Jedem Menschen nützt ein Degussa-Produkt – jeden Tag und überall." Und unterstrich den mutmachenden Zuspruch des Bundestagspräsidenten: "Ich habe großen Respekt vor der Leistung der Degussa bei der Aufarbeitung ihrer Geschichte."

Das Produkt, um das es in diesem Gespräch ging, heißt Zyklon B, produziert von der Degesch, der Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung. Thierses Gesprächspartner verkörpert in seiner Person alle Väter des Produkts.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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