Ausgabe Januar 2004

Gespenster auf dem Balkan

Ein janusköpfiges Gespenst geht um in (Südost-)Europa – es trägt die Fratzen der beiden früheren Alleinherrscher Serbiens und Kroatiens, Slobodan Miloševiƒ und Franjo Tudjman. Seitdem die Präsidentenwahlen in Serbien am 16. November starke Zugewinne der national-populistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS) und in Kroatien bei den Parlamentswahlen am 23. November gar einen Sieg der ähnlich gestrickten Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) bescherten, fürchtet man sich allseits vor der Wiederbelebung der "Balkan-Gespenster". Die EU, wie auch die europäischen Westmächte für sich allein, haben im letzten Jahrzehnt – nachdem sie 1991 und 1992 zunächst mit ihren Friedensbemühungen in Kroatien und Bosnien gescheitert waren – viel politisches Kapital in die Beendigung der Kriege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien investiert. Doch die Friedensdividende in Südosteuropa ist bisher nicht üppig ausgefallen, von einer selbsttragenden Stabilität in der Region ist wenig zu sehen. Mit der Rückkehr der geschlagen geglaubten Kräfte an die Macht in den beiden wichtigsten Staaten der Region könnte jetzt im Handumdrehen auch das bislang Erreichte wieder verloren gehen.

Für die politische Großwetterlage in der Region ist der Zustand der Beziehungen zwischen Belgrad und Zagreb bestimmend.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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