Ausgabe Januar 2004

Lears Botschaft

Der erste Akt des Irakkrieges schloss im April mit dem Fall Bagdads. Der zweite Akt begann, als dem Sieg Chaos statt Ordnung folgte. Dieser zweite Akt endete Mitte November, als Paul Bremer nach Washington zitiert wurde.

Der erste Akt des Irakkrieges schloss im April mit dem Fall Bagdads. Der zweite Akt begann, als dem Sieg Chaos statt Ordnung folgte.

Dieser zweite Akt endete Mitte November, als Paul Bremer nach Washington zitiert wurde. Die Ankündigung einer beschleunigten, aber eingeschränkten Übergabe der Souveränität an die Iraker bis zum kommenden Juni, läuft auf das Eingeständnis hinaus, dass der ursprüngliche Plan, nach dem die Vereinigten Staaten den Irak wieder aufbauen sollten, gescheitert ist.

Es handelt sich um eine militärische Niederlage. Verworfen wurde der eigentliche Plan, weil die amerikanischen Truppen in Bagdad und dem sogenannten sunnitischen Dreieck durch Angriffe auf Patrouillen, Versorgungskonvois, Einrichtungen und Hubschrauber regelrecht belagert werden.

Diese Angriffe bewirkten, dass weder die Besatzungsbehörde noch der von der Koalition eingesetzte irakische Regierungsrat Legitimität erlangen konnte.

Washington hofft nun, das Versprechen baldiger begrenzter Selbstregierung werde die Unterstützung für den Aufstand schmälern und dem Regierungsrat mehr Autorität verleihen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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