Ausgabe Juli 2004

Globalisierung und Armut

Die moderne Wirtschaftswissenschaft schreibt statistisch darstellbaren Zusammenhängen eine große Bedeutung zu. So wird den Kritikern ungehemmter Handelsliberalisierung von neoliberaler Seite unter Bezug auf Statistiken entgegengehalten, dass sie die positiven Wirkungen der Globalisierung bewusst ignorierten. "Die besten verfügbaren Belege zeigen [...], (dass) die gegenwärtige Welle der Globalisierung, die um 1980 einsetzte, tatsächlich mehr wirtschaftliche Gleichheit und niedrigere Armut hervorgebracht hat," behauptet David Dollar, ein bekannter Weltbank-Ökonom, der nach der Ablösung der kritischen Geister Joseph Stiglitz und Ravi Kanbur inzwischen den Weltbank-Mainstream repräsentiert, in einem gemeinsamen Aufsatz mit Aart Kraay.1 Globalisierung sei der beste Weg zur Armutsreduzierung - so wird unter Verweis auf die Statistik behauptet.

Diese angebliche Wirkungskette wird allerdings kaum inhaltlich begründet, sondern nur empirisch dargestellt. Dabei konstruiert man zwischen Globalisierung, definiert als Zunahme des Außenhandelsanteils am Sozialprodukt, und Armutsindikatoren einen direkten Wirkungszusammenhang. Gestützt auf entsprechende Statistiken kann dann behauptet werden, dass der Abbau von Handelsschranken zu mehr wirtschaftlicher Gleichheit und geringerer Armut führe. Diese Ableitung erscheint jedoch gleich an zwei Punkten als Kurzschluss.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.