Ausgabe November 2004

Die Krise der Umweltbewegung

Die Umweltpolitik steckt in einer tiefen Krise. Ihr zentrales Problem: Alle erzielten Fortschritte, etwa beim Schutz des Klimas oder der biologischen Artenvielfalt, sind zu gering im Vergleich zur Zunahme der Probleme. Die Problemlösung kann mit der Problementstehung faktisch nicht Schritt halten. Die Krise der Umweltpolitik ist aber auch eine Krise der Umweltbewegung. Diese muss ihre Analyse der Ausgangssituation und ihre daraus folgende Strategie neu überdenken.

Der größte Erfolg der Umweltbewegung ist nämlich gleichzeitig ihr größter Misserfolg. Heute existiert keine umweltpolitische Herausforderung, für die es keine Lösung gibt - doch überall scheitern die Lösungen an der politischen Realität. Es ist beispielsweise hinlänglich bekannt, was gegen die globale Erwärmung getan werden muss. Doch der Meeresspiegel steigt und steigt, und die Unwetterschäden nehmen weiter zu. Trotzdem verheddern sich die Klimaverhandlungen mehr und mehr in einem unübersichtlichen Paragrafendschungel. Auch über den dramatischen Verlust der Artenvielfalt existiert ein breiter Konsens; Lösungsvorschläge gibt es zuhauf. Dennoch fallen die letzten Urwälder in rasantem Tempo kurzfristigen kommerziellen Verwertungsinteressen zum Opfer.

Nicht technische und politische Lösungen sind also heute das Problem, sondern deren Durchsetzung.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.