Ausgabe September 2004

Zwischen Konfrontation und Kooperation

Die russische Zentralasienpolitik

Das nachsowjetische Zentralasien der "Vor-September-Welt" lag lange Zeit außerhalb des internationalen Blickfelds. Seine fragile Staatlichkeit, islamistische Oppositionsbildung, grenzüberschreitender Drogenhandel und Terrorismus sowie die ökonomischen Missstände in der Region waren der Weltöffentlichkeit weitgehend unbekannt. Nennenswerte Aufmerksamkeit erregten alleine die umfangreichen kaspischen Energieressourcen, um deren Ausbeutung internationale Energiekonsortien konkurrieren.1

Dies änderte sich durch die US-amerikanischen Vorbereitungen im Zusammenhang mit der im benachbarten Afghanistan geplanten Operation "Enduring Freedom" und der Ankunft von rund 5000 Soldaten der westlich dominierten Anti-Terror-Koalition in der seit mehr als 150 Jahren von Moskau dominierten Region. Schlagartig offenbarte sich die geopolitische Relevanz Zentralasiens. Der bisherige energiepolitische Fokus wurde zugunsten strategischer Erwägungen relativiert. Die auf internationale Hilfe angewiesenen Staaten Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisistan und Tadschikistan, allesamt präsidiale Autokratien, stehen seitdem an einem Scheideweg ihrer noch jungen Geschichte.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indische Soldaten

Bild: imago images / Hindustan Times

Das Ende des indischen Traums

von Arundhati Roy

Indien lebte stets von seiner Vielfalt und seinen Gegensätzen. Doch seit der Wahl von Narendra Modi zum Premierminister droht sich das zu ändern: Denn Modi kämpft für eine Vorherrschaft der Hindus – und zwar mit allen Mitteln.

Bild: imago images / Hindustan Times

Modis Indien oder: Die Schriftstellerin als Staatsfeindin

von Arundhati Roy

Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.