Ausgabe April 2005

Die Freiheit, die wir meinen

Republikanische Visionen von Amerika

George W. Bush zielt mit seiner zweiten und letzten Amtszeit auf die Ewigkeit, nämlich auf ein bleibendes Erbe in den amerikanischen Geschichtsbüchern. Dafür jedoch muss er sein politisches Kapital recht schnell einsetzen, könnte er sich doch bereits bei einer Niederlage in den Kongress-Zwischenwahlen 2006 als lame duck erweisen.

George W. Bush zielt mit seiner zweiten und letzten Amtszeit auf die Ewigkeit, nämlich auf ein bleibendes Erbe in den amerikanischen Geschichtsbüchern. Dafür jedoch muss er sein politisches Kapital recht schnell einsetzen, könnte er sich doch bereits bei einer Niederlage in den Kongress-Zwischenwahlen 2006 als lame duck erweisen. Sein historisches Fenster ist also keinesfalls so groß, wie es derzeit manchmal den Eindruck hat.

Bush startete denn auch mit zwei Aufsehen erregenden Reden: einer vornehmlich außenpolitischen zur Inauguration und eine eher innenpolitischen zur Lage der Nation.1 Der rote Faden beider Reden war die Vision der "Freiheit". Um die USA sicherer zu machen, soll amerikanische Außenpolitik – und nach Bedarf auch das US-Militär – die Freiheit in die Welt tragen. Gemäß der traditionellen moralischen Überhöhung amerikanischer Politik dient dies nicht nur den USA, sondern der solcherart beglückten Welt insgesamt. Gefragt wird die Welt dabei nicht.

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