Ausgabe Dezember 2005

Ceuta und Melilla: EU-Entrechtungsmanagement

Für kurze Zeit waren die Tragödien, die sich tagtäglich an den Außengrenzen der EU ereignen, wieder in der öffentlichen Diskussion. Vom „Sturm auf Europa“ war die Rede. Die wiederholten Versuche hunderter Migrantinnen und Migranten, gemeinsam den doppelten Zaun um die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Marokko zu überwinden, schafften es Anfang Oktober in die Abendnachrichten in Europa.

Dabei besteht diese Situation schon seit langem. Hunderte Einwanderer, die oft monatelang durch ganz Afrika gereist sind, leben in selbst organisierten Lagern rund um Ceuta und Melilla und bereiten sich dort auf die Überwindung des EU-Grenzzauns vor. Wer die Grenzbefestigungen überwunden hat, befindet sich auf europäischem Territorium und kann formal – sofern das Herkunftsland nicht zur Rücknahme bereit ist oder wenn Asylgründe vorliegen – nicht einfach zurückgeschickt werden.

Doch für viele endete das monatelange Warten nicht auf der europäischen Seite des Zauns, sondern in einer Tragödie: Nach offiziellen Angaben kamen 11 Migranten ums Leben – sie wurden erschossen oder starben an ihren Verletzungen durch Stacheldraht und Stürze. Viele wurden einfach durch das kleine Tor im Zaun ohne rechtliches Verfahren wieder auf marokkanisches Territorium befördert.

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