Ausgabe Januar 2005

Der Auschwitz-Prozess und seine Lehren

Mit allzu großer Verzögerung sind die Prozesse zur Aburteilung der NS-Verbrechen in Gang gekommen. Das ist kein Versäumnis der Justizbehörden, sondern der Stellen, denen nach 1945 die Aufgabe gestellt war, den Geist auszuräumen, der die Gräuel in Auschwitz und in so vielen anderen Vernichtungsstätten vorbereitet und die geistigen und materiellen Voraussetzungen dafür geschaffen hat, sowie die unmittelbar Schuldigen baldigst zur Rechenschaft zu ziehen, die solche Übeltaten begangen haben. Nach Verkündung des Gesetzes zur Bekämpfung des Nationalsozialismus und des Militarismus im März 1946 und den Nürnberger Prozessen hätten neben oder statt Spruchkammern Gerichte zur Aburteilung von NS-Verbrechen in Funktion gesetzt werden müssen. Dies wäre nach 1946, als die schlimmsten Schock- und Zerfallswirkungen des Krieges ausgestanden waren, möglich gewesen, wenn

1. die Siegermächte des Westens mit ihrem Vorhaben der Umerziehung unseres Volkes - der bekannten Re-Education - vom Geist der Gewalt zum Geist der Menschlichkeit, der Vernunft und des konstruktiven Denkens Ernst gemacht hätten,

2. sie das in ihrem Besitz befindliche Beweismaterial zur Verfügung gestellt hätten und

3.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema