Ausgabe Januar 2005

Der Auschwitz-Prozess und seine Lehren

Mit allzu großer Verzögerung sind die Prozesse zur Aburteilung der NS-Verbrechen in Gang gekommen. Das ist kein Versäumnis der Justizbehörden, sondern der Stellen, denen nach 1945 die Aufgabe gestellt war, den Geist auszuräumen, der die Gräuel in Auschwitz und in so vielen anderen Vernichtungsstätten vorbereitet und die geistigen und materiellen Voraussetzungen dafür geschaffen hat, sowie die unmittelbar Schuldigen baldigst zur Rechenschaft zu ziehen, die solche Übeltaten begangen haben. Nach Verkündung des Gesetzes zur Bekämpfung des Nationalsozialismus und des Militarismus im März 1946 und den Nürnberger Prozessen hätten neben oder statt Spruchkammern Gerichte zur Aburteilung von NS-Verbrechen in Funktion gesetzt werden müssen. Dies wäre nach 1946, als die schlimmsten Schock- und Zerfallswirkungen des Krieges ausgestanden waren, möglich gewesen, wenn

1. die Siegermächte des Westens mit ihrem Vorhaben der Umerziehung unseres Volkes - der bekannten Re-Education - vom Geist der Gewalt zum Geist der Menschlichkeit, der Vernunft und des konstruktiven Denkens Ernst gemacht hätten,

2. sie das in ihrem Besitz befindliche Beweismaterial zur Verfügung gestellt hätten und

3.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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