Ausgabe August 2006

Baustelle Entwicklungspolitik

„Entwicklungspolitik ist ein eigenständiger Bestandteil unserer gemeinsamen deutschen Außenpolitik“ – so heißt es im Koalitionsvertrag der großen Koalition. Allerdings bleibt unklar, was der „eigenständige“ Beitrag der Entwicklungs- zur Außenpolitik sein soll. Sobald es um die Ziele der deutschen Entwicklungspolitik geht, zieht man sich auf internationale Deklarationen zurück, vor allem auf die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen zur Armutsreduzierung aus dem Jahre 2000. Eigenständige deutsche Ziele scheint es nicht zu geben.

Da hatte man es früher einfacher: Vor 1989 war die Auseinandersetzung mit der DDR ein wichtiges Element. Andere Länder haben bei der Gestaltung ihrer Entwicklungspolitik weniger Probleme: Die ehemaligen Kolonialstaaten benutzen Entwicklungspolitik mehr oder weniger explizit zur Einflussnahme im früheren Kolonialreich. Einzig das wiedervereinigte Deutschland behauptet, dass sich die eigenen Interessen harmonisch mit den Entwicklungsinteressen der armen Länder deckten. Dass es sich dabei um eine Chimäre handelt, wird schon daran deutlich, dass die Entwicklungshilfe in den 90er Jahren im Verhältnis zum Volkseinkommen kontinuierlich von 0,42 auf 0,26 Prozent zurückging.

Dennoch: Entwicklungspolitik ist in der Bundesrepublik positiv besetzt.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.