Ausgabe August 2006

Baustelle Entwicklungspolitik

„Entwicklungspolitik ist ein eigenständiger Bestandteil unserer gemeinsamen deutschen Außenpolitik“ – so heißt es im Koalitionsvertrag der großen Koalition. Allerdings bleibt unklar, was der „eigenständige“ Beitrag der Entwicklungs- zur Außenpolitik sein soll. Sobald es um die Ziele der deutschen Entwicklungspolitik geht, zieht man sich auf internationale Deklarationen zurück, vor allem auf die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen zur Armutsreduzierung aus dem Jahre 2000. Eigenständige deutsche Ziele scheint es nicht zu geben.

Da hatte man es früher einfacher: Vor 1989 war die Auseinandersetzung mit der DDR ein wichtiges Element. Andere Länder haben bei der Gestaltung ihrer Entwicklungspolitik weniger Probleme: Die ehemaligen Kolonialstaaten benutzen Entwicklungspolitik mehr oder weniger explizit zur Einflussnahme im früheren Kolonialreich. Einzig das wiedervereinigte Deutschland behauptet, dass sich die eigenen Interessen harmonisch mit den Entwicklungsinteressen der armen Länder deckten. Dass es sich dabei um eine Chimäre handelt, wird schon daran deutlich, dass die Entwicklungshilfe in den 90er Jahren im Verhältnis zum Volkseinkommen kontinuierlich von 0,42 auf 0,26 Prozent zurückging.

Dennoch: Entwicklungspolitik ist in der Bundesrepublik positiv besetzt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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