Ausgabe August 2006

Mitfühlender Konservatismus

Angesichts der grassierenden Programm- und Wertedebatte wird gegenwärtig auch über mögliche Unterschiede der beiden großen Lager diskutiert – wenn auch mit bisher eher dürftigen Ergebnissen. Insbesondere was Konservatismus heute in Deutschland (oder auch Europa) bedeutet, hat die eher angestrengt wirkende Diskussion vor und nach den Bundestagswahlen jedenfalls nicht geklärt.

Da liegt es nahe, sich an dem Konservatismus zu orientieren, der derzeit weltweit am erfolgreichsten scheint – zumindest gemessen an den letzten Wahlergebnissen. Ganz in diesem Sinne hat sich David Cameron, der neue Parteiführer der britischen Tories, bereits als Repräsentant eines „modernen mitfühlenden Konservatismus“ definiert – wobei ganz offensichtlich George W. Bushs compassionate conservatism als Vorbild dient. Sogar in Frankreich ist man nach den Unruhen in den banlieus und den Protesten in diesem Frühjahr plötzlich aufgeschlossener für alle möglichen (mancher würde sagen: verzweifelten) Maßnahmen, den Sozialstaat zu reformieren, ohne dabei als destruktiv und kaltherzig zu erscheinen.

Und in der Tat ist der Konservatismus des Mitgefühls nicht einfach reaktionäre Augenwischerei, wie man hierzulande oft denkt. Die Ideen dahinter sind soziologisch keineswegs uninteressant.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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