Ausgabe August 2006

Neomerkantilismus - ein deutscher Sonderweg

Das Problem der schwachen deutschen Binnennachfrage ist nicht neu. Dank Deutschlands „Wirtschaftspolitik gegen den Rest der Welt“1 tritt es jedoch immer deutlicher hervor: Sowohl die USA und Japan, als auch alle anderen Länder der EU haben ihre Binnennachfrage von 2001 bis 2004 um 5 bis 13 Prozent gesteigert, nur in der Bundesrepublik ging sie im gleichen Zeitraum um 1,7 Prozent zurück. Der Grund ist zum einen das ständige Zurückbleiben der Löhne hinter der Produktivitätsentwicklung, zum anderen der Rückgang der privaten Investitionen. So betrug der Anteil des Arbeitnehmerentgelts am absoluten Zuwachs des Volkseinkommens 2004 nur noch 2,2 Prozent. Fast der gesamte Zuwachs von 45 Mrd. Euro ging also an die Unternehmens- und Vermögenseinkommen. „2004 stellt damit einen einmaligen Rekord in der Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik dar“, so die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik2 – ohne zu wissen, dass sich die Tendenz im Jahre 2005 ungemindert fortsetzen würde. Denn im letzten Jahr haben die Arbeitnehmer vom Zuwachs des Volkseinkommens überhaupt nicht mehr profitiert, sondern sozusagen draufgezahlt, so dass die Gewinn- und Vermögenseinkommen stärker steigen konnten als das Volkseinkommen insgesamt.3

Die hohen Gewinne haben aber keineswegs zu mehr Investitionen geführt. So betrugen die privaten Bruttoanlageinvestitionen nur noch 87 Prozent derjenigen des Jahres 2000.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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