Ausgabe Februar 2006

Das Schweigen der Grünen

Nach dem Katastrophenjahr 2005 verheißt auch 2006 dramatische Entwicklungen. Im zwanzigsten Jahr nach Tschernobyl droht die Atomfrage im Iran zur Kriegsursache zu werden. Gleiches gilt für die vom Westen fast unbemerkte dramatische Wasserknappheit in Ostafrika und anderen Teilen der Welt. Zugleich scheint der fossilistischen Moderne immer mehr der Sprit auszugehen. Damit könnte, angesichts der stetig steigenden Nachfrage, auch die zunehmende Öl-Knappheit zum Auslöser zukünftiger Konflikte werden. Im Zuge der seit 1989 radikal beschleunigten kapitalistischen Globalisierung hat sich somit auch die Risikogesellschaft globalisiert.

Eigentlich also eine Zeit für die großen Fragen, nach den „Grenzen des Wachstums“ und der Zukunfts- und Friedensfähigkeit des globalen Industrialismus. Eigentlich eine Zeit für die Grünen, die aufgrund dieser Fragen vor gut einem Vierteljahrhundert gegründet wurden. Doch Fehlanzeige, von den Grünen hört man in dieser Hinsicht so gut wie nichts. Die größte Aufmerksamkeit erzielte die Partei nach ihrem Gang in die Opposition stattdessen mit einer Zeitungs-Ente. Triumphalistisch titelte die „Bild“-Zeitung: „Joschka Fischer wandert aus“ – angeblich um eine Professur in Harvard anzutreten.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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