Ausgabe Januar 2006

Politik des Schlussstrichs

Eine Bilanz der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft

Zum Jahresende werden die sieben Partnerorganisationen der im August 2000 gegründeten Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ ihre Auszahlungen an die ehemaligen Zwangsarbeiter und andere Verfolgte des NS-Regimes weitgehend beendet haben. Der Fonds war als „Geste der Versöhnung“ und als „Zeichen der moralischen und historischen Verantwortung“ der Bundesrepublik und deutscher Unternehmen für das im Nationalsozialismus verübte „Unrecht“ konzipiert worden.1 Die an der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft beteiligten Unternehmen bezeichneten ihr Projekt als „abschließendes materielles Zeichen aus Solidarität, Gerechtigkeit und Selbstachtung“. Werden diese Selbstbeschreibungen dauerhaft die historische Interpretation der Stiftung prägen? Wird die Stiftung tatsächlich als „historische Leistung der rot-grünen Regierung“2 und der zu moralischer Einsicht gekommenen deutschen Unternehmen in die Geschichte eingehen?

Noch im Mai 1998 erklärte die Volkswagen AG, die sich zu diesem Zeitpunkt mit den Entschädigungsforderungen ehemaliger jüdischer KZ-Häftlinge konfrontiert sah, dass es keine gültigen Rechtsansprüche aus Zwangsarbeit gebe und man nicht in Verhandlungen über Einzelentschädigungen eintreten werde. Das Unternehmen verwies auf seine gemeinnützige Bildungsarbeit und karitative Projekte, durch die es seiner moralischen Verantwortung bereits gerecht werde.

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