Ausgabe Juli 2006

Die Fadenscheinigkeit imperialer Macht

Die Administration des George W. Bush könnte bald herausfinden, dass ihr Antiterrorkrieg schon jetzt das Stadium erreicht, in das der Vietnamkrieg mit der Tet-Offensive von 1968 eintrat – nur diesmal in Zeitlupe. Im Ergebnis dürfte es auf das Gleiche hinauslaufen – die Zerstörung der öffentlichen Zustimmung Amerikas zu diesem Krieg und zur Bush-Regierung.

Die tägliche Gewaltrate wächst stetig weiter an. Jüngst machten schwere Kämpfe in der Provinz Anbar die Verlegung einer gepanzerte Brigade aus den US-Reserven am Golf erforderlich.

Neue Gräueltaten der US-amerikanischen Truppen werden bekannt – diesmal von Marineinfanteristen verübt, die als die zuverlässigsten unter Amerikas Berufssoldaten gelten; offenbar außer Fassung gebracht durch die nicht einzudämmende wechselseitige Gewalt im Irak und den Widerstand gegen die US-geführte Besatzung, der sich als nicht unterdrückbar erweist.

Die neue Regierung des Irak behauptet, die Vereinigten Staaten hätten hinsichtlich der Übergriffe der Marines gelogen, und will die Angelegenheit selbst untersuchen.

In Afghanistan löst ein Verkehrsunfall in Kabul antiamerikanische Unruhen aus.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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