Ausgabe November 2006

Das Ende Lateinamerikas?

Der mexikanische Politikwissenschaftler Jorge G. Castañeda, heute wohl Lateinamerikas klarsichtigster Analytiker, veröffentlichte Anfang der 90er Jahre, als nach der Implosion der Sowjetunion die Postmoderne auch den Subkontinent erreichte, einen Nachruf auf die progressiven Bewegungen der Region.Der mexikanische Politikwissenschaftler Jorge G. Castañeda, heute wohl Lateinamerikas klarsichtigster Analytiker, veröffentlichte Anfang der 90er Jahre, als nach der Implosion der Sowjetunion die Postmoderne auch den Subkontinent erreichte, einen Nachruf auf die progressiven Bewegungen der Region. Sein „Utopia Unarmed“ prophezeite Lateinamerika nach dem Austrocknen der revolutionären Guerilla angesichts der immer noch ungelösten sozialen Frage eine besonnen agierende Linke von der Art der europäischen Sozialdemokratie. Chiles Entwicklung schien ihn zu bestätigen. Heute jedoch muss er eine deutlich andere Linke konstatieren, mit Venezuela unter Präsident Hugo Chávez als Avantgarde.1

 

Mangels brauchbarer Kategorien für die Einordnung der neuen Phänomene wird gerne der Begriff „Linkspopulismus“, wahlweise auch „Neopopulismus“, strapaziert. Infolge des hohen Abstraktionsgrades hilft das jedoch nicht weiter. Zusätzlich verwirrt die zunehmende Heterogenität der politischen Szene Lateinamerikas.

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