Ausgabe November 2006

Vermarktung des Geistes

Anmerkungen zur Hochschulreform

Nicht selten ist die anfängliche Reformbegeisterung bei den Verwaltungsmitarbeitern sogar in Resignation und Abwehr umgeschlagen: Die im öffentlichen Dienst Beschäftigten haben den Eindruck gewonnen, dass die neuen Belastungen ungleich verteilt sind, dass sie selbst zu den Innovationsverlierern zählen oder dass dem betriebenen Aufwand kein adäquater Nutzen gegenübersteht. Was die Hochschulreform angeht, ist bereits heute ein vergleichbarer Effekt in Teilen von Fachhochschulkollegien zu beobachten. Eine intensive Anleitung von Studierenden, niedrige Abbrecherquoten, eine arbeitsmarktgerechte Ausbildung und kurze Studienzeiten zählen traditionell zu den Vorzügen von Fachhochschulen. Deshalb wird dort mit zunehmender Verbitterung diskutiert, warum solche Standards – nun im Gewand von Zielen, die der Bolognaprozess in deutscher Lesart auf seine Fahnen geschrieben hat – über aufwendige betriebswirtschaftliche Innovationen neu eingeführtReformiert wird die bundesdeutsche Hochschule schon seit Ende der 60er Jahre: Der damalige Reformprozess wurde ausgelöst durch die Warnung Georg Pichts vor der „Bildungskatastrophe“, durch den Mangel an hinreichend qualifizierten Arbeitskräften, aber auch durch den Wunsch nach einer Abkehr von der verkrusteten Ordinarienherrschaft und der Schaffung demokratischer Selbstverwaltungsstrukturen.

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