Ausgabe November 2006

Was heute links ist

In früheren Zeiten entschied der Ort im Parlament darüber, was als links galt. Denn vom Präsidenten aus links saßen meist die Abgeordneten, die den etablierten Mächten am radikalsten widersprachen. Das war so bei den Jakobinern in der Französischen Revolution, den deutschen Republikanern 1848, den Kommunisten in der Weimarer Republik.In früheren Zeiten entschied der Ort im Parlament darüber, was als links galt. Denn vom Präsidenten aus links saßen meist die Abgeordneten, die den etablierten Mächten am radikalsten widersprachen. Das war so bei den Jakobinern in der Französischen Revolution, den deutschen Republikanern 1848, den Kommunisten in der Weimarer Republik. Auch heute gibt es Menschen, die sich schon deshalb für links halten, weil sie die Leute, die für sie die Herrschenden oder auch die Eliten sind, als unfähig, lobby-hörig, geld- und geltungssüchtig oder gar korrupt verachten. Nur: Tun dies nicht auch die Rechtsradikalen? Mit der Regel, man sei umso weiter links, je weniger man von den jeweils Dominierenden halte, kommen wir also nicht weiter.

 

Daher hilft auch nicht das Kriterium der Staatsnähe oder Staatsferne. Im 19. Jahrhundert waren es in Preußen die Konservativen, die mit Bismarck den starken, hochgerüsteten Staat verfochten – gegen den Widerstand der Liberalen.

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