Ausgabe Oktober 2006

Die Macht des Ratings

„Meiner Meinung nach gibt es heute zwei Supermächte: die Vereinigten Staaten und Moody’s Investors Service. Die USA können Sie zerstören, indem sie Bomben abwerfen, und Moody’s kann Sie zerstören, indem es Ihre Anleihen herunterstuft. Und glauben Sie mir, es ist keinesfalls sicher, wer der Mächtigere von beiden ist”, schrieb bereits vor zehn Jahren der bekannte Kolumnist der „New York Times“ Thomas Friedman. Parallel zur Expansion der Finanzmärkte ist, von der europäischen Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt, die politische Bedeutung von Ratingagenturen eminent gewachsen. Heute üben sie gewaltigen Einfluss auf Unternehmen und ganze Staaten aus.

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit: Mit ihren Ratingcodes, die von AAA (höchste Qualität) bis D (zahlungsunfähig) reichen, schätzen sie ein, inwieweit eine vollständige und pünktliche Bedienung der Zins- und Tilgungsverpflichtungen kreditbezogener Wertpapiere wie Anleihen zu erwarten ist. Im Gegensatz zum Bankkredit, bei welchem das Kreditinstitut eine interne Bonitätsprüfung vornimmt und die Daten ausschließlich für das eigene Bankgeschäft nutzt, geht es beim Rating kreditbezogener Wertpapiere um die breite Veröffentlichung der Ergebnisse für private und institutionelle Investoren. Deshalb üben die Agenturen durch ihre Bewertungen einen immensen Einfluss darauf aus, ob Anleger bereit sind, die Papiere zu halten, und wenn ja, welchen Preis die Unternehmen bzw.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Dividenden statt Investitionen

von Aurora Li, Michael Peters, Uwe Zöllner

Ob bei der Wasserversorgung, in der Pflege oder im Gesundheitssektor: Bereits seit einigen Jahrzehnten kommt es selbst in systemrelevanten Bereichen immer wieder zu Privatisierungen – bei denen die kurzfristige Gewinnmaximierung zugunsten der Investoren oftmals das Geschäft bestimmt.

Von der Silicon Valley Bank zur Credit Suisse: Finanzmarktkrise 2.0?

von Rudolf Hickel

Fünfzehn Jahre nach der Finanzmarktkrise, die im September 2008 durch die Lehman-Pleite ausgelöst wurde und die Weltwirtschaft beinahe zum Absturz brachte, drohen erneut massive Turbulenzen im Kasinokapitalismus. In den USA erschütterte der Crash eines zuvor ziemlich unbekannten regionalen Spezialinstituts, der Silicon Valley Bank (SVB), die Finanzmärkte.