Ausgabe Oktober 2006

Die Macht des Ratings

„Meiner Meinung nach gibt es heute zwei Supermächte: die Vereinigten Staaten und Moody’s Investors Service. Die USA können Sie zerstören, indem sie Bomben abwerfen, und Moody’s kann Sie zerstören, indem es Ihre Anleihen herunterstuft. Und glauben Sie mir, es ist keinesfalls sicher, wer der Mächtigere von beiden ist”, schrieb bereits vor zehn Jahren der bekannte Kolumnist der „New York Times“ Thomas Friedman. Parallel zur Expansion der Finanzmärkte ist, von der europäischen Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt, die politische Bedeutung von Ratingagenturen eminent gewachsen. Heute üben sie gewaltigen Einfluss auf Unternehmen und ganze Staaten aus.

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit: Mit ihren Ratingcodes, die von AAA (höchste Qualität) bis D (zahlungsunfähig) reichen, schätzen sie ein, inwieweit eine vollständige und pünktliche Bedienung der Zins- und Tilgungsverpflichtungen kreditbezogener Wertpapiere wie Anleihen zu erwarten ist. Im Gegensatz zum Bankkredit, bei welchem das Kreditinstitut eine interne Bonitätsprüfung vornimmt und die Daten ausschließlich für das eigene Bankgeschäft nutzt, geht es beim Rating kreditbezogener Wertpapiere um die breite Veröffentlichung der Ergebnisse für private und institutionelle Investoren. Deshalb üben die Agenturen durch ihre Bewertungen einen immensen Einfluss darauf aus, ob Anleger bereit sind, die Papiere zu halten, und wenn ja, welchen Preis die Unternehmen bzw.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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