Ausgabe September 2006

Demokratischer Imperialismus

US-Geopolitik zur Rekolonialisierung der Welt

Amerika sei niemals ein Imperium gewesen und beabsichtige auch keines zu werden, versicherte unlängst US-Präsident George W. Bush. Dennoch bereitet sich Washington seit geraumer Zeit unter dem Deckmantel von „Stabilitätsexport“ und „Nation-Building“ auf die dauerhafte Besetzung und radikale Umgestaltung so genannter „gescheiterter Staaten“ (failed states) vor.

In den letzten Monaten wurden zu diesem Zweck Pentagon, US-Außenministerium und die amerikanische Entwicklungshilfe einer grundlegenden Reorganisation unterzogen. Dabei zeigt sich zunehmend, dass der „Krieg gegen den Terror“ zugleich als ein Mittel zur globalen Durchsetzung einer neoliberalen Weltwirtschaftsordnung instrumentalisiert wird, die immer mehr Züge eines klassischen Kolonialismus annimmt.

Schon lange fordern US-Neokonservative, endlich jede Bescheidenheit abzulegen und sich offen zum amerikanischen Imperium zu bekennen. Dessen Errichtung wird in den Vereinigten Staaten auch von zahlreichen Mitgliedern des außenpolitischen Establishments als conditio sine qua non des amerikanischen Wohlstands und insbesondere der amerikanischen Sicherheit propagiert – eine Sichtweise, die inzwischen auch von der Bush-Administration übernommen wurde. Die Zeit der imperialen Amnesie ist in der Tat zu Ende gegangen.

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