Ausgabe August 2007

Freiheit unter Verdacht

Vom Wandel des Staates im Zeichen der Sicherheit

Vor einigen Jahren erschien in zahlreichen Tageszeitungen eine auffällige ganzseitige Anzeige. Sie zeigte, wie das bei Anzeigen so üblich ist, lachende Menschen. Man sah eine Frau mit zwei Kindern, die von einem Mann mit Kamera abgelichtet wurden. Das meiste an dieser Anzeige war freilich unüblich. Es wurde für kein Produkt geworben. Die Anzeige geschaltet hatte keine Firma. Es war vielmehr das amerikanische Heimatschutzministerium, das mit riesigen Lettern in Deutschland für eine neue Identifizierungsprozedur warb:

„Der Flug nach Amerika dauert acht Stunden. Ihren Besuch sicherer zu gestalten, dauert nur einige Sekunden.“ Wir, die deutschen Zeitungsleser, blickten dem Mann beim Fotografieren über die Schultern, im Sucher die lachenden Portraitierten und dahinter die Freiheitsstatue. Das sollte den touristischen Kontext ansprechen, es konnte aber auch als eine Anspielung auf patriotische Kontexte oder politische Prinzipien gelesen werden. Selbstverständlich war das nach dem 11. September. Und natürlich ging es darum, dass sich die Einreisebestimmungen verschärft hatten.

Alles, was den gegenwärtigen Rechts- und Sicherheitsstaatsdiskurs kennzeichnet, ist in diesem Bild enthalten. Denn hier fand ein hochsymbolischer Tausch statt.

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