Ausgabe Februar 2007

Herrschaft durch Konsensfiktionen

Die Globalisierungssemantik der FAZ

„Nach jahrzehntelanger Politik der Arbeitszeitverkürzung [...] haben sich zahlreiche Unternehmen mit ihren Belegschaften nun auf eine Verlängerung der Arbeitszeiten bei gleichem Lohnniveau geeinigt“, schreibt Michael Heise, Volkswirt der Allianz Group, am 22. Januar 2005 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Es dürfte klar sein, dass diese Einigung mit Zwang „gepanzert“ ist (Gramsci), da sich hinter der Aussage die Androhung von Sanktionen verbirgt, die im Falle einer fehlgeschlagenen Einigung umgesetzt werden – und jene lauten: Entlassung, Arbeitslosigkeit, Hartz IV.

Die Verlängerung der Arbeitszeiten bei konstantem Lohnniveau, also die effektive Lohnsenkung, ist eines der Patentrezepte, auf das sich Betriebsräte, Belegschaft und Management zum Zweck des Standorterhalts „einigen“. Massenmedial wird dies meist als rationale Übereinkunft gleichberechtigter Partner im Rahmen eines gemeinsam getragenen Projektes ausgewiesen, das da heißt: Arbeitsplätze sichern, Investoren anlocken, damit „wir“ endlich wieder auf „Wachstumskurs“ gelangen.

Diese Demonstration von Einigkeit stellt eine neue, kulturalisierte Form von „Konfliktmanagement“ und Governance dar, die im Zuge der neoliberalen „Umwertung der Werte“ (schematisch: Soziales ist unsozial, da „hemmend“) zunehmend Bedeutung gewinnt.

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