Ausgabe Juli 2007

Abschreckung nach der Abschreckung

Ernst-Otto Czempiel zum 80. Geburtstag

Spätestens seit den 50er Jahren und bis zur weltpolitischen Wende 1989-92 war die Abschreckungsstrategie in unterschiedlichen Ausprägungen und Akzentsetzungen das militärische Rückgrat des Ost-West-Konfliktes, der seinerseits in der vorherrschenden politischen Programmatik als ordnungspolitisch- ideologischer Systemantagonismus begriffen wurde.1 Zwar ist Abschreckung ein in manchen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu beobachtender Regulationsmechanismus (so explizit in der unterstellten Wirkung strafrechtlicher Normen); seine besondere, konzeptuell ausdifferenzierte Prominenz erhielt das Konzept jedoch erst im Kontext der vorherrschenden Militärstrategie nach dem Zweiten Weltkrieg und hier insbesondere im Hinblick auf die Existenz von Nuklearwaffen.

Diese Waffenpotentiale mit einer in der Kriegsgeschichte bis dato beispiellosen Zerstörungswirkung wurden zur Grundlage wechselseitiger Vernichtungsdrohung, was im politischen Alltagsgeschäft jedoch vernünftigerweise zu Selbstabschreckung im Sinne der Zähmung von Vernichtungsdrohung führte.

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