Ausgabe Juli 2007

Abschreckung nach der Abschreckung

Ernst-Otto Czempiel zum 80. Geburtstag

Spätestens seit den 50er Jahren und bis zur weltpolitischen Wende 1989-92 war die Abschreckungsstrategie in unterschiedlichen Ausprägungen und Akzentsetzungen das militärische Rückgrat des Ost-West-Konfliktes, der seinerseits in der vorherrschenden politischen Programmatik als ordnungspolitisch- ideologischer Systemantagonismus begriffen wurde.1 Zwar ist Abschreckung ein in manchen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu beobachtender Regulationsmechanismus (so explizit in der unterstellten Wirkung strafrechtlicher Normen); seine besondere, konzeptuell ausdifferenzierte Prominenz erhielt das Konzept jedoch erst im Kontext der vorherrschenden Militärstrategie nach dem Zweiten Weltkrieg und hier insbesondere im Hinblick auf die Existenz von Nuklearwaffen.

Diese Waffenpotentiale mit einer in der Kriegsgeschichte bis dato beispiellosen Zerstörungswirkung wurden zur Grundlage wechselseitiger Vernichtungsdrohung, was im politischen Alltagsgeschäft jedoch vernünftigerweise zu Selbstabschreckung im Sinne der Zähmung von Vernichtungsdrohung führte.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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