Ausgabe Juni 2007

Weltmacht Indien?

Der Subkontinent zwischen kolonialem Erbe und globalem Aufstieg

Mit mehr als einer Milliarde Einwohnern – einer Bevölkerungszahl, die der chinesischen nahe kommt – und einer über dem Weltdurchschnitt liegenden wirtschaftlichen Wachstumsrate gilt Indien heute vielen als eine der kommenden Großmächte des 21. Jahrhunderts. Dieser Artikel soll derartige Prognosen hinterfragen, denn ob Indien die Voraussetzungen dafür erfüllt, eine moderne Großmacht zu werden, erscheint mir ausgesprochen fraglich.

Meine Zweifel erwachsen aus der – entscheidend wichtigen – Tatsache, dass Indien, seit es unabhängig wurde, seine Hauptaufgabe nicht bewältigt hat, nämlich die radikale Transformation der vom kolonialen Kapitalismus ererbten Strukturen. Kein Zweifel, die herrschende Klasse des unabhängig gewordenen Indien entschied sich, diesem Erbe ein national-bourgeoises Projekt aufzupfropfen, das bis heute weitestgehend fortbesteht.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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