Ausgabe April 2008

Der Staat der Mafia

Organisierte Kriminalität im Kosovo

Das Kosovo, dessen albanische Mehrheit a

m 17. Februar 2008 einen eigenen Staat ausgerufen hat, ist in vielerlei Hinsicht zum Brennpunkt der Verschmelzung von organisierter Kriminalität und kriminalisierter Staatlichkeit in der Region geworden. Indem sich die Europäische Union entschieden hat, im Kosovo ihre Rechtsstaatsmission einzurichten, die der Regierung, dem Parlament und der Justiz übergeordnet sein soll, tritt sie in direkte Konfrontation mit der dortigen organisierten Kriminalität und den kriminalisierten staatlichen Strukturen. Denn das Kosovo, Bosnien-Herzegowina und Albanien gehören zu den wichtigsten Transitzentren im internationalen Drogenschmuggel aus Afghanistan über die Türkei nach Westeuropa. Einen wichtigen Platz nehmen auch Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Montenegro und Griechenland ein. Dies betont der jährliche Bericht des US-Außenministeriums über den globalen Rauschgifthandel, der am 29. Februar 2008 veröffentlicht wurde. Erstaunlicherweise bieten die Verfasser des Berichts aber keine Erklärung dafür, warum ausgerechnet das Kosovo und Bosnien, obwohl es sich um UN-Protektorate mit überwältigender militärischer und geheimdienstlicher Präsenz von EU und NATO handelt, eine derart große Bedeutung für die internationale organisierte Kriminalität besitzen.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema