Ausgabe August 2008

Vom Schmelztiegel zur Armee der Randgruppen

Streitkräfte und Staatsideologie in Israel

Vor zwei Jahren, am 14. August 2006, endete der zweite Libanonkrieg. Seit dem Waffenstillstandsabkommen versucht die israelische Regierung, ihr Versprechen einzulösen, alle von den Hisbollah-Milizen verschleppten Soldaten nach Hause zu holen. Insbesondere Premierminister Ehud Olmert weiß: Sein politisches Überleben hängt nicht zuletzt von der Rückkehr der Gefangenen ab.

Die Bevölkerung nimmt großen Anteil an den Schicksalen der Vermissten, jeder Israeli kennt die Soldaten beim Namen. Die Fotos der jungen Männer finden sich nicht nur regelmäßig auf den Titelseiten israelischer Tageszeitungen. Auch an den Heckscheiben vieler Autos mahnt ein Aufkleber in den israelischen Farben: „Lasst nicht Gleichgültigkeit sie töten“, daneben die Gesichter der drei vermissten Soldaten Ehud Goldwasser, Eldad Regev und Gilad Shalit. Breite Anteilnahme am Schicksal der Soldaten ist in Israel nichts Ungewöhnliches. Schließlich befindet sich das Land seit über 60 Jahren immer wieder im Konflikt mit seinen Nachbarstaaten. Die Armee gehört daher zum Alltag der israelischen Gesellschaft.

Einerseits lassen sich die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (Israel Defense Forces, IDF) als großer bürokratischer Apparat begreifen, der vor allem eigene Interessen verfolgt.

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