Es ist ein geradezu klassischer Konflikt zwischen Entwicklungsstrategien und Fragen des lokalen wie globalen Umweltschutzes, mit dem sich die linke ecuadorianische Regierung unter Präsident Rafael Correa gegenwärtig konfrontiert sieht: Die größten Erdölreserven Ecuadors, schätzungsweise 850 Mio. Fass Schweröl, befinden sich in einem noch weitgehend unberührten Teil des Amazonasregenwaldes, der Ishpingo- Tambococha-Tibutini heißt und meist nur ITT genannt wird. Diese Abkürzung ist in Ecuador inzwischen in aller Munde, symbolisiert sie doch nicht nur eine Debatte um den Entwicklungsweg, den die populäre linke Regierung einschlagen will, sondern einen vollkommen neuen Vorschlag zum globalen Klima- und Umweltschutz und der damit verknüpften Lasten. Die Kampagne „Amazonia por la Vida“1 schlägt vor, auf die Erdöl-Förderung zu verzichten, wenn Ecuador als Ausgleich aus anderen Quellen mittelfristig ein jährliches Einkommen in Höhe von 350 Mio. US-Dollar bezieht – die Hälfte des aus dem ITT erwarteten Erlösen. Dieser Vorstoß hebt sich auch von regionalen Projekten anderer linker Regierungen des südamerikanischen Kontinents ab, da insbesondere die Industriestaaten aufgefordert werden, zwar für das Erdöl Ecuadors zu zahlen, allerdings dafür, dass es unter der Erde bleibt.
Seit März regiert in Chile José Antonio Kast – und damit erstmals seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie ein Vertreter der Ultrarechten und Bewunderer des ehemaligen Diktators Augusto Pinochet, der das Land von 1973 bis 1990 beherrschte.