Ausgabe Januar 2008

Ecuador: Urwald oder Erdöl

Es ist ein geradezu klassischer Konflikt zwischen Entwicklungsstrategien und Fragen des lokalen wie globalen Umweltschutzes, mit dem sich die linke ecuadorianische Regierung unter Präsident Rafael Correa gegenwärtig konfrontiert sieht: Die größten Erdölreserven Ecuadors, schätzungsweise 850 Mio. Fass Schweröl, befinden sich in einem noch weitgehend unberührten Teil des Amazonasregenwaldes, der Ishpingo- Tambococha-Tibutini heißt und meist nur ITT genannt wird. Diese Abkürzung ist in Ecuador inzwischen in aller Munde, symbolisiert sie doch nicht nur eine Debatte um den Entwicklungsweg, den die populäre linke Regierung einschlagen will, sondern einen vollkommen neuen Vorschlag zum globalen Klima- und Umweltschutz und der damit verknüpften Lasten. Die Kampagne „Amazonia por la Vida“1 schlägt vor, auf die Erdöl-Förderung zu verzichten, wenn Ecuador als Ausgleich aus anderen Quellen mittelfristig ein jährliches Einkommen in Höhe von 350 Mio. US-Dollar bezieht – die Hälfte des aus dem ITT erwarteten Erlösen. Dieser Vorstoß hebt sich auch von regionalen Projekten anderer linker Regierungen des südamerikanischen Kontinents ab, da insbesondere die Industriestaaten aufgefordert werden, zwar für das Erdöl Ecuadors zu zahlen, allerdings dafür, dass es unter der Erde bleibt.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Lateinamerika

Bild: imago images / Xinhua

Argentinien: Die Rückkehr des Peronismus

von Tobias Boos

Die Schlacht schien geschlagen, noch bevor der Wahlkampf überhaupt begonnen hatte. Schon bei der Vorwahl im August hatte Alberto Fernández seinen Konkurrenten, den damals amtierenden Präsidenten Mauricio Macri, mit 15 Prozentpunkten Vorsprung weit hinter sich gelassen.

Demonstrierende in Bolivien

Bild: imago images / Fotoarena

Bolivien: Morales als Märtyrer?

von Thomas Guthmann

 „Wie schade“, schrieb Rafael Puente in einem Kommentar kurz nach der Wahl am 20. Oktober an den soeben wiedergewählten bolivianischen Präsidenten Evo Morales, „ich war Zeuge deines schnellen Aufstiegs, zuerst als Gewerkschaftsführer der Koka-Bauern, dann als Präsident, als entschiedener und intelligenter Befürworter des Prozesses des Wandels.