Ausgabe Mai 2008

Martyrium eines Aufrechten

Zum 70. Todestag Carl von Ossietzkys

Am 4. Mai 1938, kurz nach 15 Uhr, starb, erst 48 Jahre alt, im Berliner Nordend- Krankenhaus Carl von Ossietzky – streng bewacht von der Gestapo, die seinen Tod geheim hielt: „Sie verbot, dass auch nur ein Wort über Carls Tod gesprochen wurde. Auch durfte der Tag der Einäscherung nicht bekanntgegeben werden. Eine Totenfeier durfte nicht stattfinden. In der Kapelle des Krematoriums […] war es ein stummer Abschied. Kein Redner sprach, kein Freund rief dem Toten ein Wort des Gedenkens nach“, so erinnerte sich Maud von Ossietzky an den Tod ihres Mannes.1

Es war der Tod eines Aufrechten, der konsequenter als Andere gegen Militarismus und Reaktion und gegen den in der Weimarer Republik erstarkenden „Fascismus“ angeschrieben hatte.2 Nicht erst die Nazis quälten ihn, bereits die Republik warf ihn ins Gefängnis; seit 1929 verfolgte sie ihn wiederholt wegen diverser „Pressedelikte“. Im Juli 1932, nach seiner berüchtigten, für internationales Aufsehen sorgenden Verurteilung wegen „publizistischen Landesverrats“,3 begründete er sein Stillhalten: „Ich füge mich nicht, ich demonstriere eben durch den Strafantritt.“ Auch nach seiner Amnestierung im Dezember 1932, in höchster Gefahr, hatte er bewusst vorgezogen, nicht zu emigrieren, sich nicht in Sicherheit zu bringen: „Ich bleibe da, wo ich den Herren am unangenehmsten bin.

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