Ausgabe Dezember 2009

Glaube und Politik

Der deutsche Protestantismus und das Erbe der Bekennenden Kirche

Bei all den großen Gedenktagen dieses Jahres ging fast unter, dass das Jahr auch für die evangelische Kirche von eminenter geschichtlicher und politischer Bedeutung war. Heute vor 75 Jahren setzte die Bekennende Kirche mit der von Karl Barth formulierten theologischen Erklärung von Barmen ein großes Zeichen, das die christliche Existenz mit einem kritischen Auftrag gegenüber den politischen Herren dieser Welt verbindet. Die Synoden der Bekennenden Kirche formulierten eine biblisch begründete Verwerfung des Totalitätsanspruchs der nationalsozialistischen Diktatur. Für die Infragestellung der Machtstrukturen des alten Äon, die die ersten christlichen Gemeinden durch die Aufhebung weltlicher Hierarchien zu überwinden begannen, haben die Positionen dieser Synoden bis heute richtungsweisende Bedeutung.

Ungeachtet dessen werden heute im Protestantismus wieder stärker Positionen vertreten, die bestehende gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse unbiblisch legitimieren. Gleichzeitig wird der Glauben privatisiert und das politische Geschehen einer von neutestamentlichen Weisungen unterschiedenen Eigengesetzlichkeit überantwortet. Diese Auffassung stützt sich explizit auf die Lehre Martin Luthers.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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