Ausgabe Juni 2009

Osteuropa in der Finanzkrise: Ein neues Argentinien?

Über die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Bundesrepublik wird derzeit viel spekuliert. Weit weniger gerät in den Blick, dass die osteuropäischen Staaten bereits in wesentlich stärkerem Maße betroffen sind – wenn auch in höchst unterschiedlicher Weise.

Sowohl von Finanzinvestoren als auch von der deutschen Öffentlichkeit wird Osteuropa oft als einheitliche Region wahrgenommen. Doch spätestens in der aktuellen Krise treten die Unterschiede deutlicher hervor. Die Spaltungslinien verlaufen weniger zwischen EU-Mitgliedern und Nicht-EU-Ländern als vielmehr zwischen Ländern mit verschiedenen Wirtschaftsmodellen und daraus resultierender unterschiedlicher Krisenanfälligkeit.

Auf der einen Seite gibt es Länder mit sehr ausgeprägter Exportorientierung, die primär durch den Einbruch ihrer Exporte betroffen sind. Dies sind insbesondere die Visegrád-Staaten – Polen, Slowakei und Tschechische Republik – sowie Slowenien. Auf der anderen Seite befinden sich jene Länder, deren Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren vor allem mittels Auslandsverschuldung finanziert wurde und mit sehr hohen Leistungsbilanzdefiziten einherging. Diese sind extrem krisenanfällig und stecken nun insbesondere durch die Kreditrestriktionen und das Austrocknen der Kapitalflüsse in der Bredouille.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema