Ausgabe März 2009

Die politische Krise des Zionismus

Der 60. Geburtstag des Staates Israel wurde im letzten Jahr in großem Rahmen begangen – vor allem apologetisch, teilweise auch kritisch. Doch das ideologiekritisch aufschlussreichste Buch zur Geschichte Israels und speziell des Zionismus erscheint erst jetzt. Es stammt von Moshe Zuckermann, deutschlanderfahrener Historiker an der Universität Tel Aviv, den man zu jenen „neuen“ Historikern, Politologen und Soziologen (Sylvain Cypel, Lev Grinberg, Baruch Kimmerling, Adi Ophir, Ilan Pappe, Yoav Peled, Uri Ram, Tom Segev, Avi Shlaim, Idith Zertal) zählen kann, die seit etwa zwanzig Jahren die offizielle zionistische Geschichtsschreibung hinterfragen. Zum einen analysieren sie die politische Bedingtheit und ideologische Funktion des Zionismus, zum anderen erarbeiten sie, auch dank neuer Quellen und Methoden, vor allem aber mittels einer Erweiterung der Perspektive, eine neue Sicht auf die Vergangenheit.

Dies wurde erst möglich, als sich im Kontext der ersten Intifada und des folgenden Oslo-Prozesses eine Annäherung zu palästinensischen Intellektuellen, etwa Edward W. Said, Jamil Hilal, Nur Masalha, Issam Nassar und Salim Tamari, anbahnte. Für die israelische Seite ergab sich damit die Chance, die beiden unterschiedlichen Narrationen in ein dialektisches Verhältnis zueinander zu setzen.

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Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

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