Ausgabe März 2009

Israelischer Rechtsruck

Einige Tage vor den Knesset-Wahlen besuchten uns Verwandte, langjährige treue Leser der Zeitung „Ha’aretz“. Sie Lehrerin im Ruhestand, er Techniker in leitender Stellung und gebildet. Beide waren in der linkssozialistisch-zionistischen Jugendbewegung Haschomer Hatzair („Der junge Wächter“) aufgewachsen, die als Hochburg der israelischen Linken gilt. Wir fragten sie, wen sie zu wählen beabsichtigten, worauf sie uns beide verdutzt anstarrten. „Livni natürlich, ihr nicht? Wollt ihr etwa Netanjahu?“ Betretenes Schweigen im Raum. „Habe ich euch richtig verstanden, ihr wählt Kadima?“, fragte ich weiter, ohne meine Verwunderung zu verbergen. Ich hatte in Erinnerung, dass sie stets die Linksbewegung Meretz gewählt hatten. „Ja, absolut“, versuchten mich die Gäste zu beruhigen, „wir wählen Livni für das Amt des Ministerpräsidenten und Meretz für die Knesset“. Es war nicht leicht, ihnen klar zu machen, dass bei den anstehenden Wahlen wie schon bei den vorangegangenen beiden Wahlgängen in den Jahren 2003 und 2006 nur die Knesset neu bestellt wird. Ministerpräsident wird somit, wer die Unterstützung von mindestens 61 Knesset-Angehörigen aus verschiedenen Parteien genießt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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