Ausgabe Oktober 2009

Weiße Folter

Psychologie im Krieg gegen den Terror

US-Präsident Barack Obama hatte angekündigt, die Menschenrechtsverletzungen und die Folterpraxis der Bush-Ära zu beenden. An einer Strafverfolgung von Verantwortlichen sei ihm dabei jedoch nicht gelegen, vielmehr wolle er lieber „nach vorne“ blicken. Der soeben teilweise veröffentlichte Untersuchungsbericht des ehemaligen CIA-Generalinspekteurs aus dem Jahr 2004 lässt jetzt jedoch kaum mehr zu, es bei einem folgenlosen Eingestehen des lange Geleugneten bewenden zu lassen. Denn dieser Bericht hat den schon lange bestehenden Verdacht erhärtet, dass Geheimdienstagenten oder von ihnen beauftragte Verhörspezialisten mutmaßliche Terrorverdächtige massiv gefoltert haben und sich dabei des Rückhalts juristischer und psychologischer Experten versicherten. Die bislang bekannt gewordenen Vorgänge sind so erschreckend, dass sich US-Justizminister Eric Holder veranlasst sah, einen Sonderstaatsanwalt zu ihrer Untersuchung einzusetzen. 1

Für Deutsche oder Europäer jedoch kein Anlass für Gefühle moralischer Überlegenheit – wie nicht nur der Fall Kurnaz offenbart. Vielmehr belegen die regelmäßigen Berichte von Menschenrechtsorganisation wie Amnesty International oder Human Rights Watch, dass Folter zu einem weltweiten Phänomen geworden ist.

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