Ausgabe April 2010

Die große Spaltung: Kapitalismus auf Chinesisch

In Chongqing, einem rasch wachsenden westchinesischen Stadtstaat an den Ufern des Jangtse, erinnert im Herzen der Innenstadt ein sechs Stockwerke hoher Turm an die Opfer des „antijapanischen Krieges”, wie die Chinesen ihn nennen. Nach dem Einmarsch der Japaner im Jahre 1937 verlegte China seinen Regierungssitz von Nanjing nach Chongqing. Die Stadt wurde so zum Ziel japanischer Luftangriffe und im Verlauf des Krieges stark zerstört. Ein Jahr, nachdem Mao Zedong 1949 das neue China begründet hatte, gedachte er der im Krieg Gefallenen mit dem Volksbefreiungs-Gedächtnisturm. Im städtischen Ausstellungszentrum erklärte ein Fremdenführer mir 2009, noch vor 20 Jahren sei das Denkmal das höchste Gebäude der Stadt gewesen. Heute stellen mindestens drei riesige Wolkenkratzer den Turm in den Schatten. In einer Fußgängerzone des Geschäftsviertels an einer Kreuzung gelegen, hat er heute ungefähr so viel Anteil an der Silhouette Chongqings wie eine Würstchenbude an Manhattans Skyline.

Die erste Chinareise meines Lebens fand – mit Unterstützung der China-United States Exchange Foundation – gerade mal einen Monat nach den Feiern zum 60. Gründungstag der Volksrepublik statt.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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