Ausgabe August 2010

Frankreich: Die neue Macht am Golf

Am 28. Juni versammelten sich zahlreiche Demonstranten vor der französischen Botschaft in Teheran und skandierten „Schäm dich, Sarkozy“ und „Nieder mit Frankreich“. Zudem wurde das Botschaftsgebäude mit Flaschen und Eiern beworfen. Dieses Ereignis, dem eine Großkundgebung der exiliranischen Mudschaheddin in Paris vorangegangen war, markiert einen neuen Tiefpunkt in den iranisch-französischen Beziehungen. Einen Tiefpunkt, der jedoch keineswegs zufällig zustande kam.

Schließlich hatte sich Nicolas Sarkozy bei den jüngsten Verhandlungen über eine Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran überaus engagiert gezeigt. Bereits zuvor war der französische Präsident – im scharfen Gegensatz zu seinem Vorgänger, Jacques Chirac, der den Irakkrieg abgelehnt hatte – auf die aggressive Nahost-Politik des damaligen US-Präsidenten George W. Busheingeschwenkt.

Wie dereinst dieser verfolgt Sarkozy das Ziel, die arabische Welt zu einem regionalen Gegengewicht zum Iran zusammenzuschweißen. Schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt belebte Sarkozy das bilaterale Verhältnis zu den Golfmonarchien. Paris führte Verhandlungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) über die Lieferung von 60 Rafale-Kampfjets sowie über mögliche Waffenlieferungen an Kuwait und den Oman.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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