Ausgabe Dezember 2010

Feindbild Jude, Hassobjekt Israel

Im Sommer dieses Jahres kam es in Hannovers Problembezirk Sahlkamp zu einem Vorfall, der zwar in den hiesigen Medien kaum Beachtung fand, aber von den in Deutschland lebenden Juden mit großer Bestürzung aufgenommen wurde. Als Ende Juni bei einem interkulturellen Stadtteilfest die jüdische Tanzgruppe „Chaverim“israelische Volkstänze aufführen wollte, riefen Kinder und Jugendliche arabischer Herkunft judenfeindliche Parolen und bewarfen die Tänzerinnen teilweise mit Kieselsteinen. Nach Ansicht von Maya Zehden, Sprecherin der jüdischen Gemeinde zu Berlin, ist dieser Vorfall von einer für die Juden in Deutschland beängstigenden, so noch nicht dagewesenen Qualität. Besondere Sorge bereitet ihr, dass die jugendlichen Täter keinerlei Differenzierung zwischen Juden, Israelis und den Akteuren des Nahostkonfliktes vorgenommen haben.

Obschon dieses Ereignis ein Einzelfall ist, verdeutlicht es, dass Antisemitismus in der Bundesrepublik auch heute noch ein ernst zu nehmendes Problem darstellt – auch wenn sich die Konfliktlinien inzwischen verändert haben. Der Vorfall steht für einen neuartigen Antisemitismus, der in steigendem Maße bei muslimischen Migranten zu beobachten ist. Judenfeindschaft scheint in deren Milieus wenig verpönt und äußert sich vornehmlich über die radikale Kritik am Staat Israel.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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