Ausgabe Juni 2010

Volkswirtschaftslehre im Dornröschenschlaf

In der deutschen Volkswirtschaftslehre liegt vieles im Argen. Die globale Wirtschaftskrise stellt nicht nur das materielle, sondern auch das methodische Fundament der Volkswirtschaft radikal in Frage. Über Jahrzehnte dominierten Modellplatonismus, Überbetonung der mikroökonomischen Fundierung und die Vernachlässigung gesamtwirtschaftlichen Denkens. In blindem Vertrauen auf die Märkte hat der ökonomische Mainstream eine möglichst weit reichende Liberalisierung und den Rückzug des Staates befürwortet. Nun hat die Krise die damit einhergehenden Defizite brutalstmöglich aufgedeckt.

Doch während in den Vereinigten Staaten der Streit über den richtigen Forschungsansatz bereits heftig entbrannt ist, blieb es hierzulande bei einem „Sturm im Wasserglas“. Gewiss, der Beitrag deutscher Volkswirte zur praktischen Beratung der herrschenden Politik hielt sich immer schon in Grenzen. Das gilt insbesondere für die kritischen Ökonomen der „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik“, aber durchaus auch für den Sachverständigenrat (SVR). Dabei war dieser in den 60er Jahren eigens zur wissenschaftlichen Rückkoppelung der Politik eingerichtet worden.

Besonders brüskiert haben muss die „Fünf Weisen“ des SVR die Reaktion auf ihr jüngstes Jahresgutachten.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

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