Ausgabe März 2010

Afghanistan – Friede als Ernstfall

Krieg wird aus Krieg gezeugt, und Rache zieht Rache nach sich. Nun aber möge Wohlwollen Wohlwollen schaffen und Wohltat zu Wohltat ermuntern, und als der Königlichste gelte der, der am weitesten auf seinen Rechtsanspruch verzichtet hat,“ so plädierte Erasmus von Rotterdam 1517 in seiner „Klage des Friedens“. Vom späteren Kaiser Karl  V. dazu aufgefordert, verfolgte Erasmus mit seiner Schrift das Ziel, alle Kräfte für den geplanten Friedenskongress von Cambrai zu sammeln. Dieser Kongress kam jedoch nie zustande; die blutigen Auseinandersetzungen in Europa setzten sich bis weit ins 20. Jahrhundert fort. Die Klage des Friedens des Erasmus aber gewann eine bis heute reichende Resonanz.

Wie kann es gelingen, zwischen verschiedenen Menschengruppen respektvolle Beziehungen zu entwickeln und zu festigen? Dies ist die höchst aktuelle friedenspolitische Frage, die sich auch in Deutschland stellt, seitdem das Land nach dem Ende des Ost-West-Konflikts im Rahmen von NATO-Akionen militärisch interveniert – erstmals 1998 im Rahmen des Kosovo-Krieges und in Afghanistan seit 2001. Denn trotz der Jahre, die inzwischen verflossen sind, wurde bisher weder im Kosovo noch in Afghanistan eine befriedigende Antwort gefunden.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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