Ausgabe November 2010

Die Plünderung der Tiefsee

Wahrscheinlich werden wir uns hier in Europa erst wieder bei den Jahresrückblicken daran erinnern, was in diesem Jahr im Golf von Mexiko passiert ist. Ohne die Kameras am Meeresgrund, die erst nach einer Anweisung des US-Kongresses angeschaltet wurden, wäre das Desaster von uns, die wir nicht betroffen sind, womöglich schon nach wenigen Tagen vergessen gewesen. Denn wieso sollte es im Falle der „Deepwater Horizon“ anders sein als im Niger-Delta, wo jährlich etwa so viel Öl austritt, wie die Exxon Valdez einst verloren hat – und dies bereits seit nunmehr 50 Jahren. Die Kameras im Golf von Mexiko haben uns vor Augen geführt, was wir gerne igorieren: Unsere Abhängigkeit vom Erdöl hat die Gefahren, die bei der Förderung eingegangen werden, ins Unermessliche steigen lassen – Ölförderung ist zur Hochrisikotechnologie geworden. Umso erschreckender ist, dass viele Risiken fast ohne Kontrolle eingegangen werden.

Immer noch ist die Tiefsee weitgehend unbekannt und weniger erforscht als der Mond. Gerade einmal ein Prozent kennen wir, der Rest ist mare in-cognita – und ein wahres Dorado für moderne Schatzsucher. Hier leben Arten, die bereits bedroht sind, bevor wir ihnen einen Namen geben konnten.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.