Ausgabe April 2011

Berlusconi: Einer wie alle

Italien steht Kopf, seit Monaten halten die neuesten „Bunga-Bunga“-Enthüllungen über Silvio Berlusconi das Land in Atem. Angesichts des soeben in Mailand angelaufenen neuen Gerichtsprozesses gegen den Staatschef tauchen immer wieder zwei grundsätzliche Fragen auf: Warum kann ein Mann wie Berlusconi sich trotz seiner unzähligen Skandale weiterhin an der Macht halten, obwohl in anderen westlichen Demokratien bereits einer dieser Skandale ausgereicht hätte, den Ministerpräsidenten zu stürzen? Und warum wählt die Mehrheit der Italienerinnen und Italiener diesen Mann seit fast zwei Jahrzehnten immer wieder zu ihrem Regierungschef?

Die Antworten, die von Italienern selbst oder von ausländischen Beobachtern, Journalisten und Politikern gegeben werden, heben im ersten Fall auf die Rolle einer zersplitterten wie schwachen Opposition und auf die andersartige politische Bewertung solcher „Skandale“ in Italien ab. Im zweiten Fall wird im Wesentlichen auf das Medienmonopol Berlusconis, auf das für seine Parteiengruppierung zugeschnittene Wahlgesetz und – in letzter Zeit zunehmend – auf die durch ihn repräsentierte Mentalität eines Großteils der Bevölkerung hingewiesen.

Nun sind diese Erklärungen sicherlich nicht falsch.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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