Ausgabe Februar 2011

Demokraten ohne Vertrauen

Die Vereinigten Staaten und die Misere der Linken

In Amerika muss man zwischen Wetter und Klima unterscheiden. Das Wetter ist schlecht dort zur Zeit, aber das Klima ist gut.“ So äußerte sich der britische Diplomat und Historiker Harold Nicolson im Jahre 1947 während eines Gesprächs mit Thomas Mann. Damals begannen die USA gerade, von der Angst vor dem Kommunismus in Bann geschlagen zu werden. In Bezug auf das „Wetter“, sprich: den sich ausbreitenden Antikommunismus der McCarthy-Ära, bemerkte der besorgte Thomas Mann später in einem Brief an eine Freundin: „Die Auslegung, dass es sich um eine gewisse moralische Abspannung des Landes nach den Anstrengungen der Rooseveltschen Genie-Periode handle, ist mir noch die liebste.“[1]

Nur zwei Jahre nach dem Amtsantritt Barack Obamas und dem Ende der verhängnisvollen Präsidentschaft George W. Bushs ist das „Wetter“ in den USA erneut sehr schlecht. Beleg dafür ist der dramatische Tadel, den die Wähler Präsident Obama und seinen Demokraten bei den Zwischenwahlen Anfang November 2010 erteilt haben. Diese waren auch ein Sieg der reaktionären Obstruktionspolitik und der Falschinformationen, geprägt von Nativismus und Antiintellektualismus.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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