Ausgabe Februar 2011

Die Macht des Digitalen: Ambivalenzen des Internet

Die zunehmende Digitalisierung von Wissen und dessen Zirkulation in computergestützten Netzwerken globaler Reichweite bringen unsere gängigen Vorstellungen davon, was Wissen überhaupt ist, massiv ins Wanken. Die herkömmlichen Kategorien unseres Wissensverständnisses verlieren dadurch an Wirksamkeit. So wird die Partikularität der vermeintlich „natürlichen“ oder „wissenschaftlichen“ Kategorien deutlich, mit denen formelle Institutionen „ihr“ Wissen organisieren – Wissen, das als solches Sinn und Zweck dieser Institutionen ausmachen soll.

Die neuen Netzwerktechnologien besitzen das Potential, sowohl die etablierten Kategorien formalisierten Wissens als auch die damit verbundenen Praktiken, mit Wissen umzugehen, aufzubrechen. Dadurch können Wissensbestände hierarchisch institutionalisierten Kontrollen einerseits leichter entgehen, aber andererseits diese auch leichter durchdringen. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass global tätige Organisationen der Zivilgesellschaft, und zwar keineswegs nur WikiLeaks, sondern auch wesentlich schwächere, Zugang zu Datenbestände erlangt haben, die einst professionellen Wissenseliten vorbehalten blieben – seien dies nun Daten zur Finanzkrise, zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Toxizität gebräuchlicher Chemikalien oder zu einer ganzen Reihe anderer Spezialgebiete.

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