Ausgabe Februar 2011

Warum "Das Amt" missfällt

 

In den „Blättern“ 12/2010 analysierten Norbert Frei und Annette Weinke, Mitverfasser von „Das Amt“, die beginnende inhaltliche Diskussion über die Studie. Jetzt sehen sie sich mit dem Vorwurf der Auftragsarbeit konfrontiert – ausgerechnet durch den Historiker Hans Mommsen.

 

Hans Mommsen, der Doyen deutscher Zeitgeschichte, hat kaum je so glänzend formuliert, was ihn umtreibt, als jetzt in seinem Kampf gegen „Das Amt“, diese Untersuchung über das Auswärtige Amt unter Hitler und danach. Mit dieser war nicht er beauftragt worden – kein Wunder, dass alles falsch lief. Und Mommsen kann sagen, warum es so kommen musste: „Die Preisgabe einer genetischen Perspektive, die die praktische Implementierung des Holocaust als Ergebnis eines sich schrittweise vollziehenden Prozesses begreift, verschließt die Sicht auf ein Sich-Herausmendeln der ‚Endlösung‘ im Halbdunkel öffentlicher Geheimhaltung.“[1]

Kurz, der Holocaust war ein Prozess, der sich irgendwie, aber streng wissenschaftlich für jeden hörbar und sichtbar (also öffentlich) sowie unhörbar und unsichtbar (also geheim gehalten) aus der deutschen Geschichte herausmendelte, sich also quasi von selbst vollzog. Die Vernichtung von Millionen Juden, die „Endlösung“, hat sich aus diesem Geschehen nur ergeben.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe November 2020

In der November-Ausgabe analysieren die Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, wie eine Politik der Feindschaft zunehmend die US-amerikanische Demokratie zersetzt. Der Journalist George Packer sieht – mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahl am 3. November – eine letzte Chance, Amerika neu zu erschaffen. Der Ökonom James K. Galbraith plädiert in Zeiten der Krise für eine Rückbesinnung auf den Rooseveltschen New Deal. „Blätter“-Redakteur Daniel Leisegang warnt vor einem digitalen Kalten Krieg zwischen den USA und China. Und die Politikwissenschaftlerin Melanie Müller beleuchtet den doppelten Kampf Südafrikas gegen Corona und Korruption.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema