Ausgabe Februar 2011

Warum "Das Amt" missfällt

 

In den „Blättern“ 12/2010 analysierten Norbert Frei und Annette Weinke, Mitverfasser von „Das Amt“, die beginnende inhaltliche Diskussion über die Studie. Jetzt sehen sie sich mit dem Vorwurf der Auftragsarbeit konfrontiert – ausgerechnet durch den Historiker Hans Mommsen.

 

Hans Mommsen, der Doyen deutscher Zeitgeschichte, hat kaum je so glänzend formuliert, was ihn umtreibt, als jetzt in seinem Kampf gegen „Das Amt“, diese Untersuchung über das Auswärtige Amt unter Hitler und danach. Mit dieser war nicht er beauftragt worden – kein Wunder, dass alles falsch lief. Und Mommsen kann sagen, warum es so kommen musste: „Die Preisgabe einer genetischen Perspektive, die die praktische Implementierung des Holocaust als Ergebnis eines sich schrittweise vollziehenden Prozesses begreift, verschließt die Sicht auf ein Sich-Herausmendeln der ‚Endlösung‘ im Halbdunkel öffentlicher Geheimhaltung.“[1]

Kurz, der Holocaust war ein Prozess, der sich irgendwie, aber streng wissenschaftlich für jeden hörbar und sichtbar (also öffentlich) sowie unhörbar und unsichtbar (also geheim gehalten) aus der deutschen Geschichte herausmendelte, sich also quasi von selbst vollzog. Die Vernichtung von Millionen Juden, die „Endlösung“, hat sich aus diesem Geschehen nur ergeben.

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