Ausgabe Juli 2011

Das 20. Jahrhundert denken

Was im Jahre 1999 als Verschriftlichung von Vorlesungen begann, kommt nun, über ein Jahrzehnt später, mit Erscheinen des vierten Bandes zu seinem krönenden Abschluss: Frank Deppes Opus Magnum über das Politische Denken im 20. Jahrhundert. Und diese bislang umfassendste Diskussion neueren politischen Denkens aus der Feder eines marxistischen Politikwissenschaftlers hat es wahrhaftig in sich.
Der Marburger Hochschullehrer begibt sich dabei nicht in die luftigen Höhen einer bloßen Geistes- oder Ideengeschichte. Er erweitert und erneuert vielmehr die unorthodoxe, von Marx und Engels inspirierte Tradition, wie sie Max Horkheimer und Theodor W. Adorno sowie seine Lehrer Werner Hofmann und Wolfgang Abendroth entwickelten – und zwar indem er die Ideen und deren Urheber in den Kontext konfliktreicher Kämpfe stellt: von den Erschütterungen der bürgerlichen Welt am Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Sturz in die Weltkriegsepoche, vom Zeitalter des Kalten Krieges bis in die Gegenwart des entfesselten Finanzkapitalismus.
Entstanden ist so ein Grundlagentext, der sich in eigentümlichem Widerspruch zur Situation an den Massenuniversitäten bewegt, in der „die Arbeitsbedingungen für die Konzentration auf längere, individuelle Projekte extrem ungünstig sind“. Kurzum: Es ist ein Werk, das aus anderen Zeiten kommt, aber auch in andere gehen will.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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