Ausgabe Juni 2011

Die Postwachstumsgesellschaft

Die Gesellschaft steckt in einer Zwickmühle. Dem Wachstum abzuschwören bedeutet, einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch zu riskieren. Hemmungsloses Streben nach Wachstum heißt jedoch, die Ökosysteme zu gefährden, von denen langfristig unser Überleben abhängt.

Vom normalen Politikbetrieb wird dieses Dilemma meist überhaupt nicht wahrgenommen, in der öffentlichen Debatte wird es an den Rand gedrängt. Wenn die Realität dann aber doch ins allgemeine Bewusstsein sickert, ist der beste Vorschlag zumeist der, das Wachstum irgendwie von seinen materiellen Folgen zu „entkoppeln”, und das auf Dauer, während die Wirtschaft exponentiell weiterwächst. Selten gesteht man sich überhaupt die Größe der Aufgabe ein. In einer Welt mit neun Milliarden Menschen, die alle einen westlichen Lebensstil anstreben, müsste die Kohlenstoffintensität jedes einzelnen Dollars der Wirtschaftsleistung im Jahr 2050 mindestens 130 Mal niedriger sein als heute. Am Ende des Jahrhunderts wird die Wirtschaft gar Kohlenstoff aus der Atmosphäre entnehmen müssen statt ihn auszustoßen.

Dabei scheint gleichgültig, dass keiner weiß, wie eine solche Volkswirtschaft aussehen könnte, und dass derzeit alle Institutionen und Anreize beständig in die falsche Richtung weisen.

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