Ausgabe Juni 2011

Sarkozy und der „Marine-Le-Pen-Effekt"

Wird im kommenden Jahr auf den 21. April tatsächlich der 22. April folgen? Die Antwort auf diese Frage erscheint banal, doch sie hat eine tiefere Bedeutung. „Der 21. April“, gemeint ist jener des Jahres 2002, ist in der französischen Innenpolitik längst zum geflügelten Begriff geworden. An jenem Tag fiel der sozialistische Bewerber Lionel Jospin – er hatte seit fünf Jahren als Ministerpräsident amtiert – bei der französischen Präsidentschaftswahl durch. Der Kandidat der bürgerlichen Rechten, Jacques Chirac, und der rechtsextreme Bewerber, Jean-Marie Le Pen, zogen stattdessen in die Stichwahl ein.

Am 22. April 2012 findet die nächste Präsidentschaftswahl statt. Und tatsächlich ist es derzeit alles andere als unwahrscheinlich, dass Marine Le Pen, seit Januar d. J. die neue Vorsitzende des – oberflächlich „modernisierten“ – rechtsradikalen Front National (FN), dann in die Stichwahl einzieht. Zwischen Anfang März und Anfang Mai d. J. prognostizierten ihr sämtliche Umfragen zwischen 19 und 24 Prozent der Stimmen als Präsidentschaftskandidatin. Das bedeutet beste Chancen auf den zweiten Wahlgang.

Fraglich ist in diesem Szenario allerdings, gegen wen sie die Stichwahl austragen würde: gegen Nicolas Sarkozy oder gegen einen sozialistischen Kandidaten.

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